Lebensmittel bei Stromausfall: Kühlschrank und Gefrierfach richtig prüfen
Ein Stromausfall betrifft auch die Lebensmittelversorgung zu Hause. Mit einem einfachen Plan, geschlossenen Kühlgeräten und einer vorsichtigen Prüfung nach der Rückkehr des Stroms schützen Sie Vorräte und vermeiden vermeidbare Gesundheitsrisiken.
Ziel und Abgrenzung
Ein Stromausfall betrifft auch die Lebensmittel im Haushalt. Kühlschrank, Gefrierfach und elektrische Kochmöglichkeiten können ausfallen. Dieser Artikel beantwortet die praktische Frage: Welche Lebensmittel können Sie schützen, weiterverwenden oder besser entsorgen?
Er ist Teil einer allgemeinen Vorsorge-Reihe. Im Mittelpunkt stehen eine einfache Vorbereitung, das richtige Verhalten während des Ausfalls und eine vorsichtige Einschätzung danach. Hinweise zu Licht, Wärme, Kommunikation, Trinkwasser und einem allgemeinen Notvorrat finden Sie in weiteren Vorsorgethemen. Für die persönliche Vorsorge sind insbesondere Lebensmittel sinnvoll, die weder Kühlung noch Kochen benötigen.
Für wen dieser Artikel gedacht ist
Die Hinweise richten sich an Haushalte mit Kühlschrank, Kühl-Gefrier-Kombination, Gefrierschrank oder Gefriertruhe. Besonders vorsichtig sollten Haushalte mit Säuglingen und kleinen Kindern, Schwangeren, älteren Menschen sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem oder schweren Vorerkrankungen entscheiden. Lebensmittelinfektionen können für diese Gruppen schwerer verlaufen.
Auch für Babynahrung, Allergien und besondere Ernährungsbedarfe sollte der Vorrat passend geplant sein. Bei leicht verderblichen oder verzehrfertigen Lebensmitteln ist für besonders gefährdete Personen eine vorsichtige Entscheidung besonders wichtig.
Die wichtigste Regel: Kälte möglichst nicht herauslassen
Die wichtigste Sofortmaßnahme lautet: Halten Sie Kühlschrank und Gefriergerät geschlossen. Öffnen Sie die Türen nicht nur, um nachzusehen, ob noch alles kalt ist. Mit jedem Öffnen gelangt Wärme in das Gerät. Dadurch verkürzt sich die Zeit, in der Lebensmittel ausreichend kühl bleiben.
Wie lange die Kälte reicht, hängt vom Gerät, der Raumtemperatur, der Füllmenge und der Zahl der Türöffnungen ab. Prüfen Sie deshalb vorab die Bedienungsanleitung. Die dort angegebene Lagerzeit bei Störung und die Herstellerhinweise gelten für Ihr Gerät und sind aussagekräftiger als allgemeine Faustregeln. Ein reichlich gefülltes, geschlossenes Tiefkühlgerät kann Gefriergut bei einem Stromausfall über viele Stunden ausreichend kalt halten.
Vor dem Stromausfall: Kühlung übersichtlich halten und vorsorgen
Eine gute Vorbereitung ist weder teuer noch aufwendig. Sie erleichtert im Ernstfall die Entscheidung und hilft auch im Alltag, Lebensmittel rechtzeitig zu verbrauchen.
Temperatur kontrollieren
Stellen Sie den Kühlschrank auf höchstens 7 °C ein, besser darunter, und prüfen Sie die tatsächliche Temperatur bei Bedarf mit einem Kühlschrankthermometer. Diese Einstellung dient der normalen Lagerung im Alltag. Sie ist keine Entsorgungsschwelle nach einem Stromausfall. Lagern Sie Lebensmittel entsprechend den Hinweisen auf der Verpackung. Besonders empfindliche Ware kann niedrigere Temperaturen verlangen.
Lagern Sie rohes Fleisch, Geflügel und Fisch getrennt von verzehrfertigen Lebensmitteln, möglichst im kältesten Bereich über dem Gemüsefach. Decken Sie Speisereste und geöffnete Lebensmittel ab oder bewahren Sie sie in geschlossenen Behältern auf. Das senkt das Risiko, dass Flüssigkeit oder Keime auf andere Lebensmittel gelangen.
Gefriergerät sinnvoll füllen und ordnen
Ein gut gefülltes Gefriergerät kann die Kälte bei einem Stromausfall länger halten. Kaufen Sie dafür keine Lebensmittel nur für den Notfall. Sinnvoller ist ein Vorrat, der zu Ihrem Alltag passt und regelmäßig verbraucht sowie ersetzt wird.
Halten Sie, wenn es zu Ihrem Gerät passt, Kühlakkus im Gefrierfach bereit. Auch gefriergeeignete Wasserbehälter können als Eisreserve dienen. Beachten Sie die Herstellerangaben, verwenden Sie nur geeignete Behälter und lassen Sie Platz, damit sich Wasser beim Gefrieren ausdehnen kann.
Beschriften Sie selbst eingefrorene Speisen mit Inhalt und Einfrierdatum. Lagern Sie rohe tierische Lebensmittel, gegarte Reste, Gemüse und Backwaren getrennt. Nach einem Stromausfall erkennen Sie so schneller, welche Produkte besonders empfindlich sind und zuerst geprüft werden müssen.
Einen kleinen Plan bereitlegen
Notieren Sie auf Papier:
- den Zeitpunkt, zu dem Sie den Stromausfall bemerkt haben
- die Lagerzeit bei Störung laut Bedienungsanleitung
- besonders empfindliche Lebensmittel im Kühlschrank
Der notierte Zeitpunkt hilft später bei der Einordnung. Sie müssen dann nicht aus der Erinnerung schätzen, wie lange die Kühlung möglicherweise unterbrochen war.
Während des Stromausfalls: Kälte erhalten statt Lebensmittel vorschnell verbrauchen
Kühlschrank geschlossen lassen
Öffnen Sie den Kühlschrank nur, wenn Sie wirklich etwas daraus benötigen. Überlegen Sie vorher, was Sie herausnehmen müssen, und schließen Sie die Tür anschließend sofort wieder.
Wenn ein längerer Ausfall zu erwarten ist, essen Sie leicht verderbliche Lebensmittel nicht vorschnell auf. Ohne verlässliche Kühlung können insbesondere rohes Fleisch, Fisch, Milchprodukte und zubereitete Speisen problematisch werden. Solange Sie nicht einschätzen können, wie warm es im Kühlschrank wurde, sollten Sie empfindliche Lebensmittel nicht vorschnell verbrauchen. Warten Sie, bis Sie die Temperatur prüfen können. Erst dann lässt sich zusammen mit Ausfalldauer, Verpackung und Zustand des Lebensmittels seriös beurteilen, ob ein Lebensmittel noch genießbar ist.
Gefriergerät nicht unnötig öffnen
Halten Sie Gefrierfach, Gefrierschrank oder Gefriertruhe ebenfalls geschlossen. Ein reichlich gefülltes Gerät kann Gefriergut über viele Stunden ausreichend kalt halten, wenn es besonders zu Beginn des Ausfalls nicht geöffnet wird.
Lebensmittel draußen nur kontrolliert lagern
Bei dauerhaft passenden Außentemperaturen kann eine kurzfristige Lagerung außerhalb der Wohnung eine Möglichkeit sein. Lebensmittel müssen dabei gut verpackt und vor Sonne, Tieren, Feuchtigkeit und Verschmutzung geschützt sein. Die Außentemperatur muss zur Lagerempfehlung auf der Verpackung passen.
Balkon, Terrasse oder Fensterbrett sind jedoch kein verlässlicher Ersatz für den Kühlschrank. Temperatur und Sonneneinstrahlung können sich rasch ändern. Nutzen Sie diese Möglichkeit nur kurzfristig und nur, wenn Sie die Bedingungen kontrollieren können. Leicht verderbliche Lebensmittel sollten nicht längerfristig draußen gelagert werden.
Essen ohne Strom sicher planen
Haltbare Lebensmittel, die kalt gegessen werden können, entlasten die Situation. Öffnen Sie möglichst nur kleine Mengen, denn viele Produkte müssen nach dem Öffnen gekühlt werden.
Nach der Rückkehr des Stroms: In dieser Reihenfolge prüfen
Wenn die Kühlung wieder läuft, öffnen Sie zuerst den Kühlschrank kurz und gezielt. Prüfen Sie danach das Gefriergerät. Arbeiten Sie sauber und entscheiden Sie im Zweifel vorsichtig. Wenn Dauer oder Temperaturverlauf unklar sind, ist Entsorgen bei leicht verderblicher Ware die sicherere Entscheidung.
Empfindliche Kühlschrankware zuerst prüfen
Schauen Sie zuerst auf rohes Fleisch, Geflügel, Fisch, Hackfleisch, Wurst, Milchprodukte, gegarte Reste, Feinkostsalate und bereits angeschnittene Produkte. Beachten Sie die Lagerhinweise sowie insbesondere ein vorhandenes Verbrauchsdatum auf der Verpackung. Lebensmittel, die gekühlt aufbewahrt werden müssen, sollten nicht allein deshalb als sicher gelten, weil sie sich noch kühl anfühlen.
Entsorgen Sie Lebensmittel bei eindeutigen Verderbzeichen, beschädigter oder aufgeblähter Verpackung, ausgetretener Flüssigkeit oder einer unklaren Lagergeschichte. Geruch und Aussehen können Hinweise geben, schließen eine gesundheitliche Gefahr aber nicht zuverlässig aus. Probieren Sie fragliche Lebensmittel deshalb nicht testweise. Krankheitserreger können sich unter ungünstigen Lagerbedingungen vermehren, ohne dass dies sicher erkennbar ist.
Für Haushalte mit besonders gefährdeten Personen gilt: Ist bei leicht verderblichen oder verzehrfertigen Lebensmitteln die sichere Kühlung nicht nachvollziehbar, entsorgen Sie sie. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass ein Produkt später noch erhitzt werden könnte. Nicht jedes Lebensmittel wird vor dem Verzehr ausreichend erhitzt. Auch lassen sich mögliche Risiken nicht durch einen vorsorglichen Geschmackstest beurteilen.
Gefriergut auf Antauen prüfen
Prüfen Sie vorsichtig, ob Produkte noch einen festen gefrorenen Kern haben. Wenn die äußere Schicht weich geworden ist, der Kern aber noch gefroren bleibt, kann dies vor allem Qualität und Haltbarkeit beeinträchtigen. Beachten Sie Verpackungs- und Zubereitungshinweise und verarbeiten Sie die Ware bevorzugt zeitnah.
Gegarte Speisen und rohe pflanzliche Lebensmittel können nach dem Auftauen wieder eingefroren oder zügig weiterverarbeitet werden, sofern sie sicher gekühlt geblieben sind. Rohe tierische Lebensmittel wie Fleisch, Geflügel oder Fisch sollten nach dem Auftauen zunächst vollständig erhitzt werden. Nach dem vollständigen Abkühlen ist eine übliche Kühllagerung oder ein erneutes Einfrieren möglich. Aufgetautes Speiseeis gehört in den Abfall.
Ist Auftauflüssigkeit ausgetreten, reinigen Sie Hände, Arbeitsflächen, Spüle und verwendete Geräte gründlich. Lagern oder bereiten Sie andere Lebensmittel erst weiter zu, wenn eine Übertragung von Keimen ausgeschlossen ist.
Vorräte ohne Kühlung bewusst einsetzen
Haltbare Lebensmittel, die weder gekühlt noch gekocht werden müssen, helfen, die Situation ruhig zu überbrücken. Dazu zählen je nach persönlichem Bedarf zum Beispiel Konserven, Nüsse, Trockenfrüchte, haltbare Brotaufstriche und andere Produkte, die kalt verzehrt werden können. Ein solcher Vorrat sollte zu den Ernährungsgewohnheiten, Allergien und besonderen Ernährungsbedarfen des Haushalts passen und regelmäßig im Alltag verbraucht sowie ersetzt werden. Das BBK empfiehlt, einen Vorrat möglichst für zehn Tage aufzubauen. Auch ein Vorrat für zumindest drei Tage kann bereits helfen.
Was Sie nicht tun sollten
- Öffnen Sie Kühl- und Gefriergeräte nicht wiederholt zur Kontrolle.
- Verlassen Sie sich bei empfindlicher Kühlschrankware nicht allein auf Geruch oder Aussehen.
- Ignorieren Sie einen längeren Ausfall oder einen unbekannten Temperaturverlauf nicht, wenn leicht verderbliche Lebensmittel betroffen sind.
- Tauen Sie rohes Fleisch, Geflügel oder Fisch nicht bei Raumtemperatur auf.
- Frieren Sie aufgetautes Speiseeis nicht erneut ein.
- Lagern Sie leicht verderbliche Lebensmittel nicht über längere Zeit ungeschützt draußen.
- Probieren Sie fragliche Lebensmittel nicht, um ihre Sicherheit zu testen.
Checkliste
- Prüfen Sie die Lagerzeit bei Störung in der Bedienungsanleitung und stellen Sie ein Kühlschrankthermometer auf.
- Halten Sie das Gefriergerät sinnvoll gefüllt, bewahren Sie bei Bedarf Kühlakkus oder gefriergeeignete Wasserbehälter darin auf und beschriften Sie selbst eingefrorene Speisen.
- Legen Sie einen alltagstauglichen Vorrat an Lebensmitteln an, die ohne Kühlung und möglichst auch ohne Kochen auskommen.
- Notieren Sie bei einem Stromausfall Datum und Uhrzeit und halten Sie Kühlschrank sowie Gefriergerät geschlossen.
- Prüfen Sie nach Rückkehr des Stroms empfindliche Kühlschrank- und Gefrierware anhand von Temperaturverlauf, Ausfalldauer, Verpackung und Zustand der Lebensmittel. Entsorgen Sie leicht verderbliche Ware bei Unsicherheit, klaren Verderbzeichen oder unklarer Lagergeschichte. Aufgetautes Speiseeis gehört ebenfalls in den Abfall.
- Verarbeiten Sie aufgetaute rohe tierische Lebensmittel erst nach vollständigem Erhitzen weiter. Reinigen Sie Hände, Flächen und Geräte gründlich, wenn Auftauflüssigkeit ausgetreten ist.
Quellen und weiterführende Informationen
- Essen und Trinken bevorraten Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
- Korrektes Kühlen von Lebensmitteln im Privathaushalt Bundesinstitut für Risikobewertung
- Lebensmittel sicher einkaufen und lagern Verbraucherzentrale